Gelb Rot Dunkel
Unterland Derby, am letzten Freitag gegen 18 Uhr - under „Floddlight“ - in Gompertshausen.
In der Nähe von Leitenhausen kreuzten da zwei ansässigen SG‘ s ihre Stollen und für unsere neuen Leser gleich die Erklärung für die zwei Buchstaben SG: Eine SG ist ein Konglomerat. Das sollte eigentlich reichen. Nein? Na gut. Ein Konglomerat ist ein Unternehmen, das aus mehreren verschiedenen, unabhängigen Unternehmen besteht.
Die Spielgemeinschaft Gompertshausen /Hellingen empfing die Spielgemeinschaft aus dem Süden, ein Spiel mit vielen unbekannten Vor – und Satzzeichen und einer mächtigen territorialen Brisanz.
Bleiben Sie bitte dran, wir laufen Sie auf dem Haltenden.
Die Fans nahmen die lange Anfahrt in Kauf und trudelten langsam, aber zahlreich ein. Über die Lautsprecheranlage lief die Werbung für Hörgeräte und Schiri Weinmar (nicht aus Weimar) kontrollierte erst den Rasen und dann die Mähroboter. Aus aktuellem Anlass wurden Flyer ausgeteilt mit der Aufschrift: „Haben Solarfelder Ertragseinbußen durch Verschattung?“. Ach ja, gestern Abend wurden dann die Stimmen des Bürger Begehrens gegen die PV-Anlagen ausgezählt und 2/3 der Beteiligten stimmten gegen die Anlagen. Das Begehren wurde bestimmt von Meinungsfreiheit und freiem Denken. Final sollte der Respekt und die Akzeptanz gegenüber anderen Meinungen (egal welche) die Grundlage des Zusammenlebens sein. Wer jetzt mehr oder weniger hat, oder wer jetzt mehr oder weniger bekommen wird, das wird die Zeit und das wahre Leben bringen.
Zurück zum Freitagabend und gleich mit einem Wermutstropfen - der angekündigte Gastlektor Phillip Lahm sagte den Vortrag in der Halbzeitpause ab. Für die Ultras aus der Gegend war das kein Problem. Der hiesige Parteisekretär sprang ein und zeigte im Sportheim zwischen den zwei Halbzeiten den Lichtbildervortrag: „Kann man mit der DNA der Mutter testen, ob sie der Vater ist?“
Unterstützt wurde die Partie vom Katzenleihverein aus Herbstadt, welcher die Zeit während des Spiels gleich für interessante Umfragen unter den Zuschauern nutzte. Der Verein ist bekannt unter dem Namen: „Miet the Katze“.
Dann ging das Spiel los, umringt von zahlreichen Neugierigen, mit einem Hauch Bratwurstdampf und dem leicht Süßlichen aus der Dingslebener Flasche und …mit viel Hektik auf dem Platz. Die Gastgeber versuchten kompakt zu stehen, um die spielerischen Wünsche der Gäste zu minimieren. In der Anfangsphase sah man viel Unkontrolliertes, sei es am Ball oder am Körper des Gegenspielers bis hin zum abrissbirnigen Zweikampfverhalten. Vier Minuten nach der medizinischen Versorgung von DH10 legte Hopf erst einmal die Kugel ins Netz zur Führung der Gäste. Wenn man dachte, dass es jetzt im Minutentakt krachte, fehlte man weit. Vielmehr machte wiederum 10DH nach einem fatalen Fehlpass der Unterlands Defensive den Ausgleich. Ups. Was geht denn hier ab. In der Folgezeit begannen die Mannschaften ein Quartett zu sammeln. Schiri Weinmar gefiel das und hielt den gelben Karton in Luft, so lang er noch zu erkennen war. Kurz vor der Halbzeit eine unverständliche Szene vor dem Tor der Gäste. DH10 stand plötzlich mutterseelenallein vor Digritz, konnte ihn aber im 1 gegen1 nicht überwinden. Aus einem Freistoß vor dem 16er der Gastgeber folgte die Riesenglocke für Hartung. Wie geht denn sowas. Das wäre die sichere und überraschende Führung für die SG Gomp./ Hell. gewesen.
Dann war Halbzeit. Eilig wurden noch die letzten VIP – Karten für den Lichtbildervortrag im Sportheim auf dem Schwarzmarkt gehandelt und gleichzeitig wurde es richtig laut in der Gästekabine. Im Sportheim gab es nach 10 Minuten die ersten Zugabe- rufe und so wurden noch die Frage beantwortet: Wie kann man herausfinden, wie alt man ist, wenn man am 29. Februar Geburtstag hat. Der Sportheimwirt hatte die lautstarke Antwort: „Also, wenn man 18 ist, dann ist man 18, auch mit den 4 Jahren Schaltzeit!“ Achso.
Abschließend wurde das Thema noch geklärt, ob etwas passieren kann, wenn man schwanger Sex hat. Eigentlich nicht, wenn‘s blöd kommt, wird man direkt Oma.
Der Schiri pfiff zum zweiten Aufgalopp und so langsam trübten sich die Augen. Die Sichtbedingungen wurden schlechter und schlechter, einfach grenzwertig. Apropos schlecht, mies, grenzwertig. Diese Adjektive trafen auch auf eine jugendliche Fandelegation aus der Nachbargemeinde zu. Lautstarke Beleidigungen der Gästespieler, Betreuer und sogar der Spielerfrauen wurden nur mit Trinkpausen unterbrochen. Das war ein so richtiger Treffpunkt von rhetorischen Rechtschreibfehlern und minderdurchbluteten Ergüssen. Aber was solls, machen wir jetzt gleich die Schweigeminute…für alle, die uns nicht mögen, aber uns niemals blockieren werden, aus Angst etwas zu verpassen.
Zum Sportlichen. Alle waren gespannt, wie lang die Gastgeber den Aufwand betreiben kann und schon klapperte es erneut zur Führung der Gäste. Vier Minuten nach dem Schnorchel Kurs in der Pause, rieb sich Kapitän Westhäuser die Taucherbrille mit Eigenspucke aus, sieht dann klarer und donnert die Kugel zur Führung ins Netz.
Danach knallte es im 10 Minuten Takt. Der aufopferungsvolle Kampf der Gastgeber in der ersten Halbzeit zeigte immer deutlichere Spuren und so hatten die Unterländer leichtes Spiel, weitere Treffer zu erzielen. Die Einheimischen erinnerten jetzt an einen klinisch Toten, der immer wieder mal hochschreckt, weil die Schwester reinkommt. Erschwert wurde das Ganze durch das grelle Licht der vier Flutstrahler, womit die Bemühungen aller Beteiligten auf ein Minimum runter geschraubt wurden. Fassen wir es zusammen. Die Bedingungen wurden irregulär, genauso wie die Verhaltensweisen einiger Spieler. Der Schiri begnügte sich jetzt nicht mehr mit gelb, sondern zückte gleich dreimal die Ampelkarte. Hopf und Voit taten noch etwas für ihr Konto und letztlich gewannen die Gäste mit 5 zu 1.
Ein Fazit müsst Ihr Euch selbst zusammenbauen. Hier die Textbausteine: Außenseiter, Favorit, Arbeitssieg, Zweikampfverhalten, Licht, Durst und Wegfiedeln.
Neutrale Experten waren von den Gästen vor allem wegen fehlender Dominanz und Spielgestaltung enttäuscht. Den Gastgebern tun die zwei Gelb – Roten mehr weh als die Niederlage.
Nächstes Wochenende spielt die Unterlands SG auf dem STREUFDORFER Platz, wo sich wieder die Frage stellt: Wie nennt man ein Dreieck mit vier Ecken?
Freunde der Sonne, jetzt fährt meine Stechuhr über meine linke Rolex in den Schlitz und dann Katsching: Done Deal, Feierabend.


