Der Blick durch die Grillzange

Spielbericht einfach und schlicht

 

Gestern Abend waren alle Augen auf Heldburg gerichtet, es war angerichtet und alle beneideten die, welche auf dem Platz stehen durften. Guten Abend zum heiligen Kreisliga – Freitag – Abend.

Ein angenehm zartes Sommerlüftchen zog durch leer gefegte Seitenstraßen im Heldburger Süden und nur ein paar am Bordstein abgestellte Autos ließen Lebewesen vermuten.

Für Freunde des warmen Hän­de­drucks: Gestern war Welttag der Dank­bar­keit. Die per­fekte Gele­gen­heit, um end­lich mal Danke zu sagen – für Sta­di­onbier, Emo­tionen, den Bau des neuen Edekas, dem VAR und den Zeiten,

als man sich nur mit Kopf Nicken unterhielt und dabei Zigaretten drehte, ohne die Finger zu benutzen.

Steigen wir jetzt erst einmal in die Grundlagen ein. Es gelten die alten Schulhofregeln: Ein Dreier reicht …auch den Unterländern für Platz eins (aber nur gestern und eventuell heute).

Nebenbei bemerkt, wir feierten gestern zum 247. Mal den Geburtstag von Friedrich Hölderlin, aber eben auch zum 174 Male ohne ihn, da er bereits seit dem 7. Juni 1843 unter einer latent vitalen Schwäche leidet. (es reichen oberflächliche Kenntnisse der Grundrechenarten) 

Nachdem die Gastgeber am Dienstag ein öffentliches Training absolvierten, wollten sie am Freitagabend geköpfte Nägel machen. Der Gegner war kein Geringerer als der Aufsteiger aus dem fernen Nahetal und alle Fans waren gespannt, was denn auf dem heiligen Rasen der Heldburger Anfield passieren würde. Unterland gegen Schleuneu – der Klassiker der Goldenen Zeiten, an den sich kein Schwein mehr erinnern kann.

Das Match wurde gesponsert von der städtischen Tierkrankenkasse, welche im Vorfeld Flugblätter an die Fans mit einem Werbespruch verteilte. „Es steht ein Reh im Walde, ganz still und stumm. Wenn ich es nicht umfahre, fahr ich es um.“ Viele googelten gleich nach den aktuellen Versicherungsbeiträgen, andere wiederum sagten sich: „Macht nix, solang das Glas immer bis zum Rand halbvoll ist, kann man auch nach einem Halben doppelt sehen.

Der neue, von allen gewollte, Funkturm macht es seit seiner Erbauung möglich, dass Kreisliga Highlights, von welchen erwartet wird, dass sie auf Messners Schneider stehen, live in alle Welt übertragen werden. Ob nur Bild oder nur Ton, oder Beides, hängt von der Anstoßzeit ab.

Schiri Ettlinger erklärte noch schnell seinen Gehilfen, dass der vielbesungene deutsche Wald ohne Bäume auch nur eine Wiese wäre und im Stadion herrschte kurz vor Anpfiff eine verhaltene Ruhe, aber auch eine gespannte Erwartung. Oder eine gespannte Ruhe und eine verhaltene Erwartung, oder vielleicht auch eine ruhige Verhaltung und eine erwartete Spannung, ach wer kann das schon beurteilen, keiner kann sehen, was in einem Baum vorgeht, ohne ihn zu fällen.

Beim Einlaufen einigten sich Schiri und die Mannschaften auf 4 Minuten Nachspielzeit und dann ging es los. Gleich vorn weg, Kreisliga Spiele sind Energie geladener wie Koalabären an einem Eukalyptus-All – You – Can – Eat – Baum.

Die SG gab gleich Gas und Hopf machte nach 3 Minuten, die meisten Bratwürste waren noch unangebissen und das Bier hatte noch Kronkorken, seine erste Bude. Rumms! Im Gegenzug zeigte der Gast, dass sie nicht wegen einer „Führung“ auf der Veste gekommen sind und scheiterten knapp. Nach zehn Minuten stand es 2 zu 0, denn Voit traf geschmeidig. Ein paar Minuten später war es wieder Hopf und jagte den Ball zum dritten Treffer in die Maschen. Seine Enkel werden ihm später mal berichten, dass es ein Eigentor war. Drei Chancen, drei Tore…da gab es schon andere Zeiten. Aber dann musste Digritz einen Knaller von Döhler parieren und danach war es vorbei mit der Effizienz, beweisend: Der Gastgeber ließ in einer Minute drei riesige Glocken vom Großglockner liegen. Sogar der Pfosten hatte eine aufhaltende Rolle. Wie im richtigen Leben wurde dann im Gastgeber Strafraum Handball gespielt und Schiri Ettlinger, genannt Mike, holte sich beim Elfer – Pfiff einen roten Kopf. 3:1. In den letzten 15 Minuten ließen die SG und die Gäste jeweils zwei Chancen liegen, was auch dem Geschehen auf dem Platz entsprach. Die Unterländer wurden in ihrer Spielweise schlampig und die Gäste sahen den großen Kuchen vor sich und zeigten eindrucksvoll, dass sie in der Kreisliga angekommen sind. Sie machten es so wie ich, wenn ich nachts raus muss und mich nicht vom Licht blenden lassen will: Tasten sich langsam ran. Kurz vor der Halbzeit vernahm man noch mal den einheimischen Trainer lautstark: „Spielt doch mal sauber was aus!“ Das hörte der Sportheimwirt und versteht: „Spül doch mal sauber was aus!“ Und er erinnert sich gleich, dass er vor einer halben Stunde eine Fluse aus dem Waschbecken Siphon gezogen hat. Halbzeit. Der angekündigte Gastlektor kam auf Grund von Morddrohungen nicht, des wegen gab es nur eine Gedenkminute, denn es wurde wie jede Woche, der Monat des schlechten Wortspiels gefeiert. Das ist jetzt nicht unbedingt jedermanns Sache, deswegen gedachten nur die Eingefleischten und murmelten vor sich hin: 7 Tage des Baumes ergeben rein rechnerisch eine Woche des Waldes, dass weiß aber nur derjenige, welcher schon mal abends eine Morgenlatte hatte.

Zum Ende erzählte der Sportheimwort noch von einer schrumpligen Peperoni, die im Rennsteigtunnel vom LKW gepurzelt und den ganzen Weg zu Fuß gegangen ist und dann vor ungefähr 10 Minuten am Hintereingang des Sportheims geklopft hat und fragte: „Entschuldigung, kann ich mich hier essen lassen?“

Weiter ging es. St. Schmidt knallte die Kugel gleich erstmal an die Latte. Wenige Minuten danach jagte Hopf einen Freistoß aus 22 Metern in die Maschen. Es war ein Strahl, ein Linearfunktion – Schuss. X = voll in die Maschen. Der Gästetorwart erzählte unter Tränen hinterher, er hätte es nur Zischen gehört und danach pfiff der Schiri zum Anstoß. Die Gäste verloren jetzt Tropfen für Tropfen die Milchsäure und die Unterländer wechselten munter durch. Siehe da, aus dem Nichts fiel dann doch das zweite Tor für Schleuneu und die heimischen Fans wurden dezent unruhig.

Aber drei Minuten später beruhigte Hopf die Zuschauer und seinen Trainer und machte nach ein paar Kurven im Strafraum das Fieberthermometer: schiebt lässig ein. Drei Minuten später gab es vom Selbigen noch einen Nachschlag und es stand 6 zu 2. Jetzt wird’s doch heftig. Dann gab es noch ein Schmankerl, wer soll’s anders gewesen sein… Hopf zog noch einmal in der letzten Minute kompromissloser ab als eine Kosmetikerin die Kaltwachsstreifen. Es folgten noch einmal 4 Minuten Nachspielzeit.  Aber die Unterländer gingen schon in die Kabine, was soll denn noch passieren. Schluss und Ende…naja…sportliche Wertungen kommen in Spielberichten nicht vor, deswegen erwähnen wir nur noch, dass Trainer Weigand seine Jungs gleich in den Kühlraum schickte, weil sie noch so dermaßen heiß waren…

Unter dem Motte: Wenn Du alles getan hast, kannst Du nichts mehr tun, versammelten sich die frenetischen Fans ums und im Sportheim und philosophierten. Am Stammtisch wollten sie eine ganz harte rhetorische Nuss knacken, in dem sie ergründen wollten, wie denn der Dattelschaum entsteht, oder wie der gemacht wird. Höchst interessant, die Fachmeinungen gingen bis hin zum Palme wedeln. Aua!

In der Heimkabine schraubte man sich noch zwei drei Kisten rein und die Gäste ließen auf der Seite kfa-intim.de den Neukunden – Eintrag löschen.