"Gemeinsam" zeigt, was alles geht

Vor einigen vielen Stunden trug es sich zu, dass auf dem Sportareal der drittkleinsten Stadt Deutschlands (oder wie sich der Grund und Boden nördlich von Österreich nennt) zwei absolute Topspiele des KFA Südthüringen stattfanden.

Die Fachwelt wollte es nicht glauben, zweimal und doppelt der ERSTE gegen den ZWEITEN, und das innerhalb von vier Stunden. Für den fanatischen Liebhaber des Zuschauens war das besser als eine „Currywurst mit Senf“, oder Rasen Goldstaub aus Bierdunst zaubern.

Die SG U23 zauberte sich nach 90 Minuten zu einen ungefährdeten 3zu2 Sieg und betonierte die Spitzenposition mit Stahlbeton. Wiedermal eine geile Bestätigung, was „gemeinsam, wir schaffen das“ für Berge versetzen kann. Im letzten Spiel ein Unentschieden = 1 Punkt und die ZWEITE gewinnt einen der drei Kreisklassenmeistertitel. Respekt und Glückwunsch schon jetzt, einfach grandios. Danke an die Alten und Jungen, an die zuverlässigen und mit großem „Kümmer - Gen“ ausgestatteten Trainer, Betreuer und Background People. Pfarrer Flämmig wird Euch in seine sonntäglichen Andachten betten,  mögen Euch die südthüringer Götter beschützen.

Gleich im Anschluss das Topspiel der Kreisliga und gleichzeitig ein Wiedergutmachungsgipfel - SG Unterland gegen das Team aus Effelder. Die Gäste brachten im Herbst der SG ihre bis jetzt einzige Niederlage bei und das wollten die SG’ler nicht auf sich sitzen lassen. Obwohl der Aufstieg in Sack und Aldi war, wollten die Gastgeber diese eine Huhn rupfen mit einem grandiosen Erfolg. Vor dem Anpfiff hatten die Fans am Ausschank Center noch eine hitzige Diskussion mit der Frage: Wenn Supermann in allem super ist, warum ist er dann nicht super lustig? Das Problem wurde nicht final gelöst, aber wer sachdienliche Hinweise geben kann, bitte an werhättedasgedachtdassdiefdpunterchristianlindnerbesserdranwar@lra-hibu.de.

Bei schwüler luftiger Ummantelung ging es los und es ging scharf los. Und wie es los ging. Es krachte, rauchte und Schreie hallten durch den Ummerstädter Forst. Die Gäste zeigten von Beginn an ihre gewohnten Seite und stiegen in etlichen Szenen mit einer nichtmessbaren Härte in die Zweikämpfe. Die Frage ist „Warum“ muss man im Amateurfußball den Trend im Land fortsetzen und die Gesundheit des Nebenmanns nicht wertschätzen und eine teilweise sinnfreie Verrohung seiner selbst zulassen. Was in der ersten Halbzeit noch einigermaßen im Rahmen blieb, eskalierte dann in der zweiten Hälfte. Erfahrene Spieler aus dem Gastgeber Team versuchten immer wieder mit Einzelgesprächen auf dem Platz den Stecker zu ziehen, aber das Gäste Blut war so in Wallungen und der empfundene Gerechtigkeitssinn in eine dermaßene Schieflage geraten, es wurde ein Spiel mit dem Prädikat „Acqua passata non macina più“ oder „Passt auf Euch auf!“.

Die Unterländer zeigten in der ersten Hälfte eine reife spielerische Leistung, welcher die Gäste nur mit lautstarker körperlicher Präsenz gegen halten konnten. Man nahm sogar eigene Verletzungen in Kauf bei grätschenden Abwehrversuchen, von der Gesundheit des Gegenspielers ganz zu schweigen.

Aber die SG ließ sich nicht beirren und einer der wenigen final ausgeführten Angriffe, netzte der junge Wiener ein. Es war zu diesem Zeitpunkt eine souveräne Führung aber auch nicht mehr. Es fehlte das zweite Tor, dann hatte es wahrscheinlich etwas Valium auf alle geregnet.

Es kam wie es kommen musste, der letzte Mann der Gäste wurde offensiv und drang in den SG Strafraum ein. Brachial warf er seinen Körper gegen den eines Abwehrspielers und stürzte sich zu Boden. Schiri Staudigel stand vielleicht etwas ungünstig zu dieser Situation und pfiff den schwer erkämpften Elfer. Sauber die Haar geschnitten. Der Ausgleich vor der Pause und jeder der bis eins zählen kann, wusste dass es in der zweiten Hälfte viel Spaß und etwas für den hohlen Zahn geben würde, unerwünschten Spass und Geruch aus Zahnloch.

Das Schiri – Gespann machte in der Pause freiwillig einen Crashkurs in Sachen Selbstverteidigung und Intervention.

Für das gemischte Publikum liefen im Sportheim zum letzten Mal in dieser Saison auserlesene Workshops, welche wieder unheimlich gut angenommen wurden (na gut, bei der Unterhaltung auf dem Rasen). Mit Bild und Ton diskutierte man über die Stirnlappenbasilisk, welche zur Unterordnung der Leguanartigen gehört, man belegte, dass der Wasserdruck am tiefsten Punkt der Ummerstädter Kreck cirka 107 Megapascal beträgt und einigte sich darüber, dass die Hauptstadt von Kiribati Tarawa heißt. Respekt!

Dann ging es weiter…

Und wieder hörte man das Krachen von Knochen und schreiende Schmerzen. Man gab jetzt alles, nur nicht in Sachen Fußball. Zu allem Überfluss fiel noch die Führung der Gäste, welche aber nicht zählen hätte dürfen, da Torwart Digritz den Ball sicher hatte und dieser ihm mit Lust und Laune wieder aus der Hand geklopft wurde. Aber nichts Genaues weiß man nicht.

Minuten später wollte ein Gästespieler im Zweikampf besonders „zärtlich“ sein und wurde beschenkt mit gelb – rot. Wieder Minuten später hätte der zweite Gäste“spieler“ die GELBROTE sehen müssen, als er von hinten dem jungen Schreiber wie ein Mähdrescher in die Füße fuhr. Da hatte der Schiri Angst um sich selbst.

Nun begann das Halali der Gastgeber, denn man wollte ja als Sieger vom Platz.

Ein Gewühl im Effelder Strafraum, Krach und Bumm und Klopf und Pfiff. Elfmeter für die SG. Um Gottes Willen…Die Erinnerung an den geschenkten Elfer kurz vor der Pause verblasst durchsichtig und die Gäste fühlten sich ungerecht behandelt. Das Geschrei und der wilde Protest kannte keine Grenzen. Teilweise hatte man Angst, dass Schiri Staudigel angebissen wurde. 2 zu 2 und die Gäste fühlten sich verarscht und wollten bockig geschlossen den Platz verlassen. Sportlich gesehen eine absolute Nullnummer.

Erinnern wir uns an das Hinspiel in Effelder, welches die SG 2zu4 verlor. Auf einem nicht zu bespielenden Platz, mehrfache körperliche Attacken in Nähe der Körperverletzung, ein Schiri, der vor dem Spiel schon sein Geschenk bekommen hatte….aber der Gast aus dem Unterland zog das Ding bis zur 90. Minute durch, sauber und fair und gestand sich die Niederlage ein.

Aber was gestern los war, ist perspektivisch Angst einflößend.  Doch die Gastgeber hatten jetzt wieder Bock auf mehr. Gegen dezimierte Gäste sollte das Spiel gedreht werden. Anagram: Hirsch, ich rufe! Heißt so viel wie, ich habe Bock auf den Sieg.

Aber wie es so ist, auch im richtigen Leben, es gestaltete sich schwieriger als gedacht. Die Gäste hielten an ihrem Stihl (für unsere Gartenfreunde) fest und bekämpften wie  „Rieschnitzborussen at heart“ sogar die Gänseblümlich, waren aber jederzeit mit hohen Bällen und robuster Lufthoheit gefährlich. Das Ding war noch nicht gegessen. Immer wieder Unterbrechungen, unzählige Behandlungspausen, es war eine richtige zähe zweite Halbzeit. Die Fans verzeichneten eine Rekord verdächtige Netto – Spielzeit und dachten teilweise, dass hier die lange Nacht des Boxens lief.

Dann fuhr meine Stechuhr über meine linke Rolex in den Schlitz dann Katsching:  extra Time 90 +2  - Hopf am langen Pfosten, die Fetzen fliegen drei aus Effelder gegen einen von hier – 3 zu 2. Done Deal – Wahnsinn! Wütende schäumende Proteste mit daher geholtem Inhalt, geschlossener Mannschaftsabgang der Gäste und viele verwirrte Zuschauer – all das blieb für die letzten Minuten. Jetzt wäre ein gemeinschaftliches Simpsons Video für alle Beteiligten sehr abkühlend, aber es beruhigte sich auch so und was blieb, sind Eindrücke und Erinnerungen von „sportlichen“ Erlebten und an die drauffolgende Sieges und Saisonfastabschlußfeier der beiden Männerteams des Unterlands. Die neutralen Zuschauer stellten nach Spielende fest, dass es wohl besser gewesen wäre, auf dem Bayerischen Dritten sich den Thriller „München Mord: Nix für Angsthasen“ anzuschauen.

Andere freuten sich euphorisch und hatten unter dem Motto „ I mean…das war wieder mal nais „ richtig Pippi im südthüringerischen Teil ihres Tränenkanals.

Nächstes Weekend steht für jedes SG Team noch ein Match im Raum, in der Luft und dann….das große Ausruhen vor dem Sturm.

Die Redaktion des Flugblattes „Helios“ bedankt sich für das gewaltfreie Lesen und wünscht allen eine Menge Hilfsangebote und viele offene Ohren. Sprecht mit Euren Mitmenschen. Seid aufmerksam und bietet ihnen Hilfe an.

 

(All die Hinweise stammen aus dem aktuellen Journal von der Beratungsstelle für Täter*innen häuslicher Gewalt.)