Alle elf Minuten vergeht am Montag eine Minute
So gestern hieß es im gestrigen Spielbericht über das Leben unsrer Reserve: mit Vorfreude auf heute. Heute heißt es, blicken wir mal kurz zurück, auf gestern. Alles war angerichtet für den Pokalsonntag…Fußballwetter, viel Fans, viele Neugierige und eine gemütliche kulinarische Sicherstellung.
Dazu standen sich im Pokal Fight die SG I und die Hibu II gegenüber, zwei alte Bekannte mit eventuell anderen Vorzeichen. Nach dem eher mäßigen Match in Gleichamberg wollten die Unterländer wieder ein Zeichen in die andere Richtung setzen. Dazu hatte Trainer Weigand fast komplettes Orchester, nur Gössinger, Fischer, Butzke und Hofmann fehlten. Die Gäste waren, trotz Parallelspiel der ersten Vertretung, mit erstaunlich gutem Personal (7 Spieler mit Landesklassenerfahrung in der letzten Saison) angereist und wollten unbedingt die nächste Pokalrunde.
Schiri der Partie war Daniel Reiber vom SV Glückauf Lehesten. Für die in Geographie gefehlt haben,
Lehesten ist eine Berg – und Schieferstadt aus dem Landkreis Saalfeld – Rudolstadt. PLZ 07349
Zurück zum Pokal von gestern…Stunden vor dem Spiel gab der KFA Südthüringen bekannt, dass diese Saison im Pokalwettbewerb um das „Silberne C Rohr“ der freiwilligen Feuerwehr Hellingen gespielt wird. Ansporn genug für beide Teams, ein Feuerwerk abzubrennen.
Die Gäste stoßen an …viele schütteln den Kopf und meinten, es wäre bisschen früh für Sekt. Die Fans bastelten sich mit viel Nachfragen die Aufstellungen beider Teams selbst zusammen, weil (über Lautsprecher) früher alles besser war. Tja früher, jetzt haben wir Sommer.
Beide Teams beschnupperten sich erstmal sehr intensiv und versuchten Struktur in ihre Bemühungen zu bekommen. Nach einer Viertelstunde dann die Führung der SG durch Hopf la direkter Eckstoß. Respekt und Anerkennung. Den Spirit dieser Ecke nahm Hopf gleich bei seiner nächsten Aktion mit und setzte das Leder flach zum 2:0 ins Eck. Dazu kamen viele verheißungsvolle 100 – Prozentige der SG mit Fuß und Kopf. Wäre das ganze Spiel so weiter gegangen, könnten sich die Gastgeber bald von einem Ethanol – Hersteller sponsern lassen.
Dazu kam sechs Minuten später der Anschluss der Gäste durch den Neuzugang aus Suhl, Kante. Zum Chancenwucher gesellte sich dann noch ein Elfmeter für die SG, der aber nur den Außenpfosten streichelte. Kurz vor der Pause noch ein genialer Volley von Hopf an die Latte und dann ging es mit einem nicht beruhigenden 2:1 in die Kabinen.
Die Fans waren sich einig: „Die Pause ist in Sachen Chancenverwertung sicher unsere beste Viertelstunde“
(au, der ist schwer)
Im Sportheim gab es wie gewohnt spannende hochgeistige Pausenkultur. Am Stammtisch saß wieder mal ein furchteinflößender Fremder, mit einem Heuschädel, dessen flechtiger Bewuchs begann den darunter befindlichen Shetland Pullover an beiden Schultern anzuwurzeln und haarfeine Haltefäden an den Tisch zu spinnen. Ein anderer, der bereits im Hafen der Ehe in Sichtweite der Mole gesunken war, erzählte von seinen Jugend Schlüpfern: Da wo ich herkomme, gabs noch den Schlüpfer Schiesser Feinripp, über den war quer drüber gedruckt, „mit Eingriff“, er wäre wochenlang vorsichtig gegangen, weil er nicht wusste, wann der Eingriff erfolgte.
Weiter gings und während einige Fans noch abschüttelten und andere ihren Platz suchten, machte Hopf sein drittes Tor. Beruhigend. Kurz danach traf der junge Leutheußer zum 4:1. „Ich weiß nicht, wann ich in einer Viertelstunde so viel gute Dinge von unserer Mannschaft gesehen habe“, schwärmte ein Fan. Er klang dabei wie ein Achtklässler, der auf die Fensterbank klettert, um durchs Sporthallenfenster den Mädchen beim Geräteturnen zuzukucken.
Nach der höheren Führung ein paar Wechsel des Gastgebers, sagen wir mal so, die wenigsten blicken noch durch, wie oft wer und wann, wen einwechselt.
Dafür blickte der Hildburghäuser Hofmann durch und setzte einen Freistoß lässig in die Maschen. Oha…
Minuten später spielte im Gastgeber Strafraum das gruslige Duo „ Ungenau und Durchschaubar“ und die Kugel rollte über die Linie. Nur noch 4:3. Erinnerungen wurden wach und man summte eine Variation von „Freude, kurzes Glück, VARum, nur für den Kick, für den Augenblick.“
Zehn Minuten lang knisterte es auf dem Platz und ringsherum, ehe Hopf mit seinem vierten Treffer den Lieblingssong von Lotto King Karl in die Fans überschwappen ließ. Für die Leser, welche musikalische Fetischisten sind, der Text:
„Song für Song immer wieder ding dong, kommt ne Band, ich sag: Ihr seid wrong, pardon, you better schmeiss your Tape vom Balkon.“ (Eins ist sicher, so sicher wie ein Zahlenschloss mit einer Zahl, hier liegt irgendetwas ganz schön im Argen)
Das 5. Gastgeber Tor war dann der endgültige gut gemeinte Faustschlag für die finale sportliche Wahrnehmung
der Gäste und die SG hatte sich eine Runde weiter geschossen.
Jetzt ist aber noch lange nicht alles mattes Gold was leuchtet und jeder wäre, in Vorbereitung des nächsten Heimspiels am Freitag, gut beraten, sachlich selbstkritisch gewisse Dinge zu überdenken, um dann Mü für Mü an der Vollendung zu feilen. Der Berichte – Dichter ist eigentlich nicht so ein Freund vom namentlichen Lob oder Kritik, denn das ist Sache des Trainers, aber aus einer geschlossenen Mannschaftsleistung ragte der junge Steigmeier heraus. Weiter so!
Für alle die an Prosopagnosie leiden (Gesichtsblindheit, also das Sehvermögen ist normal, aber man kann Gesichter nicht unterscheiden), läuft beim nächsten Heimspiel in Sportheim erneut die so beliebte Vortragsreihe berühmter Vorleser. (Der eingeladene Lektor ist selbst seiner Familie völlig unbekannt). Thema: „Die intensive Abrichtung von Bisamratten zur Postbeförderung“ Vorbestellungen unter kubik.blödheit@pardigmatisch.com.
Nenne wir es beim Namen – Heilfasten ist genauso gesund, wie gesund prügeln – bis Freitag!


