Nicht viel
Es war wieder mal so weit, die Mannschaft von Sonneberg West gab sich die Ehre. Die Randsonneberger haben eine große Abneigung für Fahrten ins Unterland, denn die Punktausbeute in den letzten Jahren war kein Grund zum Jubeln.
Aber Fußball ist Fußball oder wie ein berühmter ehemaliger Brigadier der LPG Bundschuh die Frage formulierte: Stirbt es sich in sauberer Unterwäsche besser?
Bei den Gastgebern fehlten zwei Kirmesburschen und die Westler hüllten sich in Schweigen. Schiri der Partie war Herr Meinunger, der im Verlaufe des Spiels einiges zu tun bekommen sollte. Die Gäste vom Karpfenteich spielten letzte Saison mit um den Aufstieg, so dass jeder eingefleischte Fußball Kenner 1 und 1 zusammen subtrahierte und das Ergebnis durch die Zähne tropfen ließen.
Das Ummerstädter Stadion war übrigens zu 100 Prozent ausgelastet, oder wie es in der VG Heldburger Unterland heißt: Das sind mindestens Dreiviertel.
Dann die Unterlands Hymne bei gleichzeitiger Kamerafahrt über die Gesichter der SG-Spieler. Schöne alte Männer…die an die Falcon Boys am Autoscooter erinnern und ein Hauch von Stress in der Luft ließen. Danach ging es zum (Seiten-) Wahlkampf und danach ging es los.
Das Spiel startete rassig und die Gäste zeigten gleich, dass im Karpfenteich nicht nur Fische schwimmen. Angeführt von ihrem Oldie Funke machten sie mit ihrer einsatzstarken schnellen Spielweise der SG gehörig das Leben schwer. Untern Strich machten sich die Gastgeber das Leben aber selbst schwer, weil es bei den Bemühungen um ein paar spielerischen Highlights blieb. Laufspiel, Einsatz und Willen – keine Frage, aber die lange spielerische Fehlerkette, vermischt mit einer Portion Überhast stellten für die Gäste keine großen Probleme dar. Was die ersten 45 Minuten betrifft, war bei den Sonnebergern eine klein wenig bessere Spielanlage zu erkennen. Die klarste Gelegenheit hatte aber Hopf, der sich den Ball schön rüber legte, aber leider auf den falschen Fuß. Ansonsten wirkten beide Teams, wie eine deutsche Familie im Frankreich – Urlaub. Das Navi ist kaputt und keiner weiß so genau, wo es nun lang geht Richtung Meer. Immer noch 0 : 0. Immerhin, das Lieblingsergebnis der internationalen Brillencommunity.
Gottseidank war dann Halbzeit. Halbzeit bedeutet Sportheim – Time. Der Workshop „Sonst könnte je jeder kommen“ war wieder gut besucht und man tauschte sich über gewichtige Dinge des Lebens aus. Z.B wer Deutscher werden will, muss einen Test machen, also muss auch ein Test machen, wer ins Deutsche will. Mit eifrigen Diskussionsbeiträgen wurde dann die Lehrmeinung rausgearbeitet: Würde man alle Naturaldeutschen einem Test unterziehen, von dem das Verbleiben in der Nation abhängen würde, dann wären Wohnungsnot und Studienplatzmangel Probleme von gestern. Alta, hier geht was…
Der zweite Durchgang brachte dann wieder die Fragmente von Flunky – und Völkerball von beiden Teams und den Fans wurde eine alpträumende Vulkankette geboten. Das Spiel wurde intensiver, aber meistens nur gefährlich bei Standards.
So auch zwanzig Minuten vor dem Ende, als die Gäste clever einen Freistoß bei Schiri Meinunger erbettelten. 19 Meter vor dem Tor…die Mauer formierte sich, die Mauer stand, Truthän (seines Zeichens 2. Torwart) tritt den Ball, die Mauer springt hoch (was sie sonst nie macht) der Ball rollt unter Mauer durch, Ball rollt ins kurze Eck -à Tor. Das war die Gästeführung. Der Gast trifft so, als würde ein einbeiniger Delfin Billard spielen. Schwierige Minuten für die SG, welche jetzt mehr Druck entwickelte und auch einige spielerische Ideen in die Tat umsetzte. Gewürzt wurde das Ganze noch mit ein paar Wechseln, aber die Minuten gingen schnell von der Uhr. Zehn Minuten, bis Ultimo und ein Sonneberger holzte im Mittelfeld ordentlich dazwischen. Wahrscheinlich musste er noch Feuer machen in der Sporthütte am Karpfenteich. Jedenfalls bekam er gelb-rot und die Gäste waren zu zehnt. Der Trainer wäre kein guter Trainer, wenn er sich nicht schützend vor seine Mannschaft stellt und ging ebenfalls mit gelb – rot runter.
Nun leckten die SG-Jungs und gaben noch einmal richtig Gas. Der gerade eingewechselte Wiener brach rechts nicht ein, sondern durch und chippte den Ball in die Mitte und überließ es Gössinger, in diesen Ball zu grätschen. Der Wahnsinns Einsatz wurde mit dem hoch wichtigen Ausgleich belohnt. Durchatmen…Nach dem „Foul“ ohne Berührung an Westhäuser ungefähr 22 Meter vor dem Gästetor, legte Hopf mit einem satten Strich dem anderen Funke das Ei zur glücklichen Führung ins Netz. Wieder mal ein Last Minut Tor, wieder mal ein Spiel gedreht und nur noch 7 Minuten Nachspielzeit und der Gegner war einer weniger und nach zwei Minuten nochmal gelb - rot für Sonneberg…das Ding war sowas von im Sack…zwar mit viel Glück, aber egal …und es gab in der vorletzten Minute noch einen Freistoß für die Gastgeber an der rechten Strafraumgrenze. Was will man mehr, alles lief im Sinne…der Freistoß wurde abgewehrt (vielleicht wäre hier die Bewegung mit Ball in Richtung Eckfahne im Sinne des Spielausganges sinnvoller gewesen…vielleicht) und Sonneberg machte nochmal einen verzweifelten Angriffsversuch. Ein ungeschicktes Foul verschaffte ihnen noch einen Standard und der lange Ball erreichte den jungen Döbrich, der ungehindert zum Ausgleich einschieben konnte. Ach du meine Goethe. Diskussionen über Abseits sind sekundär, dafür gabs primär zu viel Dinge im Vorfeld. Zusammengefasst ist das Ergebnis gerecht (sogar für die SG glücklich), denn die Gastgeber machte ihr schlechtestes Saisonspiel gegen einen machbaren Gegner, welcher das 2:2 wie ein Sieg feierte. Im Lager der SG wird jeder hoffentlich sachlich und realistisch für sich diesen Pfeffer aufarbeiten und erkennen, dass die Leistung gegen Sonneberg West viel Luft nach oben übrig lässt. Nehmen wir den Punkt und harren der Dinge, die da kommen.
Nach dem Spiel begann dann sofort die Zeit der Wirkungstrinker, die nur das Bier trinken, weil sie was merken wollen und der Stadionsprecher wies noch einmal drauf hin, dass nächsten Samstag (Anstoß 16.00 in Ummerstadt) im Sportheim während der Halbzeitpause der Vortrag „Ist Ingwertee gut für die Potenz?“ läuft. Gleichzeitig läuft ein Dia – Vortag zur Thematik Pflege, so zum Beispiel die Problematik der Schieber im Altersheim, wo der Name gänzlich anderes verspricht, weil sie mehr getragen als geschoben werden. Sozusagen müssten sie eigentlich Träger heißen. Doch auf einen Träger darf man nicht scheißen. Denn was Pflegeheime betrifft, ist der Träger stets eine natürliche oder juristische Person, welche das Pflegeheim betreibt.
Anmerkung der Redaktion
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